
Der Online-Touristikanbieter Expedia hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: "Wir wollen der größte und ertragreichste Reisevermittler der Welt werden", sagte Konzernchef Dara Khosrowshahi vor der Touristikmesse ITB der "Süddeutschen Zeitung".
Auf dem amerikanischen Markt macht Expedia gut 13 Milliarden Dollar Umsatz. Als größten Wettbewerber betrachtet Khosrowshahi Internet-Reiseanbieter wie Travelocity oder Lastminute.com, deren Umsatz aber weitaus kleiner ist. Der Reisemarkt in den USA wird insgesamt auf 200 Milliarden Dollar geschätzt. Khosrowshahi hält daher Kritikern, die Expedias Wachstumschancen auf dem Heimatmarkt für ausgereizt halten, entgegen: "Hier gibt es für uns noch genügend Raum zu wachsen."
Dies gelte auch für das internationale Geschäft, der weltweite Umsatz der Reisebranche liegt bei 900 Milliarden Dollar. Weiteres Wachstum verspricht sich der Expedia-Chef vom Eintritt in neue Märkte in Asien: "In China kontrollieren wir eLong, den zweitgrößten Online-Reiseanbieter der Volksrepublik. Außerdem haben wir vor kurzem ein eigenes Angebot in Australien und in Japan, dem zweitgrößten Reisemarkt der Welt, gestartet."
Ernstzunehmende Gegner in Deutschland sieht Khosrowshahi vor allem in den klassischen Reisekonzernen TUI oder Thomas Cook, die Reiseagenturen betreiben, aber auch Beteiligungen an Hotels und Fluggesellschaften halten. Von diesem Geschäftsmodell hält der 37-jährige Expedia-Chef allerdings nicht viel. "Wir verstehen uns als reinen Vermittler, der Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Aus allem anderen halten wir uns raus. Hotelbetreiber verstehen ihr Geschäft viel besser, als wir es je könnten."
Welchen Marktanteil Expedia in Deutschland erreicht hat, wollte der Firmenchef der Zeitung nicht sagen, "aber wir sind Thomas Cook und TUI auf den Fersen". Beim Umsatz habe die deutsche Tochter Expedia.de in den vergangenen Jahren jedoch jeweils mehr als 50 Prozent zugelegt.
Insgesamt ist der Markt für Online-Reisen auch in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Allein 2006 buchten Internet-Nutzer Reisen im Wert von 12,1 Milliarden Euro. Verlierer sind vor allem die klassischen Reisebüros, die wegen sinkender Provisionen immer weniger verdienen. Pro Jahr geben daher etwa 1000 Agenturen auf, die Bundesrepublik gilt allerdings auch als Land mit der höchsten Dichte an Reisebüros weltweit. "Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden von den 12.000 heute existierenden Reisebüros noch 5000 bis 6000 übrig bleiben", erwartet Khosrowshahi.
